Spiel und Spaß – Rotes Public Viewing

50 junge Menschen, zwei Teams und eine einzigartige Stimmung.
An diesem Abend kamen fünfzig Menschen zusammen, ein Teil, weil sie Fußball gucken wollten, andere wegen des Grillens und der Brause und manche, aus politisch-feministischer Motivation. Ab der zweiten Halbzeit sahen alle gespannt auf die Leinwand, das Spiel hatte die Aufmerksamkeit errungen und wir fieberten mit – die Ballkunst hat uns überzeugt und auch die Fußballskeptiker_innen zu emotionalen Ausbrüchen verleitet und Lust auf mehr gemacht.

Die Spielerinnen der USA waren die klaren Favoritinnen. Die US-Nationalmannschaft hatte bereits zwei WM-Titel errungen und dreimal an den olympischen Spielen gewonnen. Japan war bei der letzten WM „nur“ vierte geworden. Als die USA in der zweiten Halbzeit in Führung ging, verwunderte das nicht wirklich. Doch die 81. Spielminute lies eine_n den Atem anhalten – Japan erzielte den Ausgleich. Gleichstand und Verlängerung. Im Abstand von 13 Minuten folgten für beide Seiten ein weiteres Tor durch Abby Wambach und Homare Sawa. Die japanischen Spielerinnen behielten die Ruhe und setzten sich mit 5:3 letztlich beim Elfmeterschießen durch und holten den WM-Sieg nach Japan.

Warum reden wir eigentlich von „Frauen-Fußball-WM“ oder „WM der Frauen“. Wenn die Männer WM spielen, heißt es immer nur „Weltmeisterschaft“. Der Grund dafür ist, dass Profi-Fußballerinnen immer noch keine Normalität sind und es noch gar nicht so lang her ist, dass Frauen erstmals begonnen haben sich in Vereinen zu organisieren. Spannend ist, dass die Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland eine völlig unterschiedliche ist. Während sich Anfang der 70er die Kickerinnen in der DDR in Betreibssportgemeinschaften (BGS) organisieren, durch die sog. Trägerbetriebe Ausrüstung gestellt bekamen und ihnen die Sportplatznutzung ermöglicht wurde; war im anderen Deutschland Frauenfußball von 1955 bis 1970 verboten. So ein Fußballverband kann natürlich nicht wirklich „verbieten“, dass Frauen Fußball spielen, aber ein Verband kann den Fußballspielerinnen ganz schön zwischen die Beine grätschen. Beispielsweise wurde ihnen das Spielen in Stadien oder auf Vereinsrasenflächen verweigert. Mitte der 50er wurde Schiedsrichtern untersagt Spiele von Frauen zu pfeifen und den Fußballvereinen nicht gestattet eigene Frauenabteilungen zu eröffnen. Was die Fußball(männer)welt überall einte, war das Frauenfußball unterschätzt wurde. Unser voller Respekt gilt Spielerinnen wie: Nettie Honeyball, Charlotte Specht, Caroline Morace, Pia Sundhage, Mia Hamm und Marta Viera da Silva – vielen Dank für euer virtuoses Spiel und euren Kampf für unsere Rechte!

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