Archiv für Februar 2012

„Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“

… so lautet das berühmte Zitat Rosa Luxemburgs, das fast jede_r kennen dürfte. Weit weniger bekannt ist der Satz unmittelbar davor: „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit.“ Sie weist damit nachdrücklich auf die Notwendigkeit eines wahrhaft demokratischen Sozialismus hin und ist – ebenso wie Karl Liebknecht – ein unumgänglicher Bezugspunkt für uns Falken und andere junge Sozialistinnen und Sozialisten.

Aus diesem Grund trafen sich auch in diesem Jahr weit über hundert Falken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei „Rosa&Karl“, einer bundesweiten Veranstaltung im Kurt-Löwenstein-Haus, vom 13.-15. Januar.
Erstmals waren auch wir Hallenser mit vier Falken vertreten. Was zunächst als großes Treffen von Freund_innen begann, führte uns am Samstag in zahlreiche Workshops zu verschiedensten Themen, vom „Extremismus der Mitte“, über einen Stadtrundgang auf den Spuren des Sozialismus des frühen 20. Jahrhunderts bis zum Kritischen Liederworkshop. Am Morgen des 15. Januar schließlich – dem 93. Jahrestag ihrer Ermorderung – gedachten wir trotz früher Stunde und eisiger Luft Rosa und Karl gemeinsam mit einer Kranzniederlegung.

Eigentlich ist der traditionelle Hauptbestandteil des Gedenkens die anschließende Luxemburg-Liebknecht-Demonstration vom Frankfurter Tor nach Lichtenberg, zum Friedhof der Sozialist_innen. Diese hat sich jedoch, wie wir sehen konnten, zu einem Sammelsurium von Gruppen entwickelt, die einem autoritären Staatssozialismus hinterhertrauern, ganz gewiss aber nicht den freiheitlichen Idealen Rosa und Karls. Ob wir wieder teilnehmen werden ist im Moment sehr fraglich, wollen wir doch Teil einer Bewegung und nicht eines Zirkusses sein.

Noch sind die Eindrücke recht frisch und wenig verarbeitet. Es bleibt sicherlich der Eindruck einer Geschichte, die uns als „SJD – Die Falken“ in Solidarität miteinander und mit anderen Kämpfer_innen für Freiheit und Sozialismus verbindet. Es bleibt aber auch die Präsenz der historischen Realität, die im Namen dieser Begriffe ihr Gegenteil geschaffen hat.

Es tut daher Not stets aufs Neue (selbst-) kritisch unsere Welt, wie sie ist und wie sie geworden ist, zu betrachten und uns gemeinsam zu fragen, wie eine bessere Welt möglich wird. Aber genau das macht uns als Falken ja auch aus und so nehmen wir die Herausforderung gerne an.